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Fünf Verhandlungen aus nächster Nähe: BWS zu Gast am Landesgericht Feldkirch
- 22. Januar 2026
- Posted by: Beer Theresia
- Category: Allgemein
Insgesamt 53 Schüler der 4A, 3W und 5L in Begleitung der Lehrpersonen Daniel Geiger, Claudia Leiherer-Igerz und Veronika Nicklaser machten sich am Morgen des 15. Jänners 2026 auf den Weg, um sich gegen 8:30 Uhr vor dem Eingangstor des Landesgerichts in Feldkirch einzufinden. Dieses Unterfangen gestaltete sich schwieriger als gedacht – denn diverse Züge, auf die die Reisenden angewiesen waren, hatten Verspätung. Da der Strafrichter Martin Mitteregger, der sich an diesem Donnerstagvormittag der Besucher von der BWS Bezau annahm, aber ebenfalls verspätet war – er saß selbst in einem dieser Züge –, war dies gar kein Problem: Die an sich im Hof des Gerichtsgebäudes geplante Einführung wurde gekürzt und direkt im Schwurgerichtssaal, dem zentralen Ort des Geschehens, durchgeführt.
Ebendort begann dann um 9:00 Uhr die erste von fünf Verhandlungen, denen die Gäste von der BWS bis 12:30 Uhr beiwohnen durften. Auf dem Programm standen die Delikte Widerstand gegen die Staatsgewalt, Verleumdung, falsche Beweisaussage, Nötigung und Körperverletzung. Weil es keinen Gerichtsdiener gab, übertrug Richter Mitteregger kurzerhand einer der Lehrpersonen diese Aufgabe – ein Exempel dafür, dass es selbst vor Gericht mitunter eine Portion Pragmatismus braucht.
Vor und nach den Verhandlungen nahm sich Mitteregger dankenswerterweise viel Zeit, den Jugendlichen anschaulich und packend die Fälle und deren Hintergründe auseinanderzusetzen. Es bestand jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Anhand konkreter Beispiele erfuhren die Besucher etwa, was der Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Tatseite ist, in welche drei Abschnitte sich ein Strafverfahren einteilen lässt (Ermittlungsverfahren, Hauptverfahren und Rechtsmittelverfahren) oder worin Wesen und Sinn der Diversion – namentlich im Jugendstrafrecht – bestehen. Als besonderer Höhepunkt nutzte der Strafrichter eine etwas längere Pause, um zwei Beweisvideos zu zeigen; eines davon dokumentierte die Vorgänge vor dem Nachtclub „Sender“ in Lustenau, wo im Jänner 2024 zwei Tschetschenen angeschossen und schwer verletzt wurden.
Zu guter Letzt seien noch einige Stimmen der Schüler zum Besuch am Landesgericht Feldkirch zu Gehör gebracht:
„Es war viel lockerer als ich gedacht habe und ganz anders als in Filmen. Ich fand den Besuch sehr interessant und der Richter hat uns jedes Fallbeispiel gut und einfach erklärt.“ (Niklas Sutterlüty)
„Der Besuch im Landesgericht Feldkirch war eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe zum ersten Mal bemerkt, dass man eigentlich auch schon durch den kleinsten Vorfall angezeigt werden kann.“ (Lorenz Meusburger)
„Ich war überrascht, dass Richter so sympathisch sein können – teilweise hätte ich nach Sprechung des Urteils am liebsten applaudiert. Der Vormittag im Gerichtssaal war sehr spannend und fesselnd – selbst die steinharten Sitzbänke konnten dem Interesse keinen Abbruch tun.“ (Tamara Moosbrugger)
„Mein größtes Aha-Erlebnis war, dass Gerichtsverhandlungen viel ruhiger, strukturierter und menschlicher ablaufen, als man es aus Filmen kennt. Obwohl etwas mehr Drama den Tag spannender gemacht hätte, bin ich beruhigt, dass es meist nur kleinere Delikte bei uns gibt.“ (Lina Übelher)
„Zu empfehlen für Alle – jeder sollte einmal miterleben, wie so ein Gerichtsprozess wirklich ablaufen kann!“ (Lisa Kopf)
Bericht: Dr. Daniel Geiger




